Gestern noch

Gestern noch woas Leb’n ganz andascht, wos zöhlt hot woa da Sterz am Tisch. Hots Joah guat passt, dann woas zan gfrei’n – hot koana miassn Hunga leid’n. Fia olli woas a schwares Los, fia wos ma g’lebt hot, hot ma gschofft, hot gheat aufs Land, taun noch seim Sinn – dafia woa wos im Kölla drin.

Gestern noch woas Leb’n vül schena, des Miteinander gamz wos gscheits, woa die Stund dann do fia Gsöllichkeit – san olli kemm mit muats a Freid. Die Oarbat hot sen zammangschwoasst, aloa woa koana stoark, hom zamman sana Zeit vabrocht – hom gred mitnand, hom gread und glocht.

Gestern noch woas Leb’n a leichta, woan vüli Johagäng auf oan Hof, die oan hom pflanzt, des Land bebaut – die Oltn auf die Kinda gschaut. A jeda hot sein Plotz duat ghobt, sei Pflicht, sein Sinn im Leben, so Vüles hots noch gem zan toa – umd wuascht wia old, woast nia aloa.

Gestern noch woas Herz vül freia, hot fliagn kinnt ganz unbeschwert, domols woa die Wölt zan huln – erst später kummt des „hob’n wulln“. Valoan is goung der kindlich Geist, stottdessen muaß mit Kopf i leben. Nur manches Mol, ba mancher Soch – fühl i so frei, wia gestern noch.

Veröffentlicht unter Weinbergphilosophie