„Aber mein Hans – der kann´s“

Großvater-Küche

„Mancher lernt’s nie, des Foahn mit die Schi, aber mein Hans der kann’s“. Ob Hans Kaiser (1914–1990) aus St. Nikolai im Sausal ein begnadeter Schifahrer war, wissen wir nicht mehr so genau, aber auf jeden Fall erzählt uns seine Frau Maria Kaiser, geboren 1919, mit viel Begeisterung davon, was ihr Hans denn so alles konnte.

 

„Ich kam in Eibiswald auf die Welt und übersiedelte im Alter von 12 Jahren hierher in die Gemeinde St. Nikolai zu meinen Großeltern. Hier lernte ich später, so zwischen der Christenlehr, dem Woazschöln und dem sonntätigen Kirchengang, meinen späteren Mann Hans kennen; 1939 haben wir geheiratet. Hans war ein Tausendsassa, konnte so gut wie alles und das, obwohl er nie wirklich einen Beruf erlernt hatte. Wir waren Bauern und hatten neben einer Vielzahl von Tieren noch einen Weingarten und einen Tabakacker. Mein Gatte war von jeher ein sehr guter Schüler und bereits in jungen Jahren kristallisierte sich sein musikalisches Talent heraus. Schon mit 12 Jahren erlernte er das Spiel auf der Kirchenorgel und diese Aufgabe sollte ihn auch die folgenden 60 Jahre in Beschlag nehmen.

Einige seiner kleinen Nebenbeschäftigungen brachten hin und wieder sogar ein paar Schilling ein, manche wurden in Naturalien abgegolten und andere machte er aus purer Freude, auch ohne dabei etwas zu verdienen. Vor allem die Musik hatte es meinem Hans angetan. Neben der Orgel spielte er noch eine Vielzahl an Instrumenten: Klavier, Harmonika, Zither und Gitarre sind nur einige davon und natürlich gab es auch viele Kinder, denen er die unterschiedlichsten Instrumente beibrachte. Auch seine Vereinsaktivitäten nahmen ihn ordentlich in Beschlag, war er doch neben der Blaskapelle auch bei der Feuerwehr und in der Gemeinde als Sekretär und Bürgermeisterstellvertreter aktiv. Den Chor in unserem Ort leitete er über viele Jahre und auch mir hat das Singen immer große Freude bereitet. Gelebt haben wir von unserem Grund und Boden und das bedeutete viel Arbeit das ganze Jahr über. Wir hatten auch Einwanderer, die in unserer Keusche wohnten und dafür bei uns mitarbeiten mussten. Über 40 Jahre unterstützten sie uns so bei unseren Tätigkeiten und bekamen dafür Unterkunft und Anbauflächen. Damals waren wir auch mit dem Tabakanbau beschäftigt. Die Setzlinge bekamen wir über die Kammer und ein Acker wurde immer damit bepflanzt. Einmal pro Jahr mussten die Tabakpflanzen „durchgehauen“ werden, aber ansonsten machten sie bis zur Ernte nicht sonderlich viel Arbeit. Dann wurden die Pflanzen geerntet, die Blätter auf Bindschnüren aufgefädelt und auf den Dachboden zum Trocknen gehängt. Später wurde der Tabak zerkleinert und verkauft. Neben allem anderen machten uns auch die Bienen große Freude. Nie hat Hans einen Schutz getragen, wenn er mit ihnen arbeitete, und nur sehr, sehr selten wurde er von einer gestochen. Wir hatten viel und guten Honig; da der Friedhof nicht allzu weit von uns entfernt war und dort die schönsten Blumen und Pflanzen wuchsen, waren unsere Bienen immer bestens mit Blüten versorgt.

 

Mein Hans konnte alles und machte auch so gut wie alles. Wenn wir eines unserer Tiere schlachteten, so gerbte er das Leder selbst. Dann fuhr er mit dem Zug nach Deutschlandsberg in die Lederfabrik und ließ unsere Tierhäute dort noch nachbehandeln. Wieder daheim wurden daraus Lederhosen für unsere Kinder und Zoagln für uns alle gemacht. Sein handwerkliches Geschick war legendär. Ob es eine alte Uhr war, die es zu reparieren galt, oder irgendein anderes technisches Werkel – mein Hans, der konnte das. Auch unsere Fässer stellte er selbst her. Dazu kochte er im Hof einen ordentlichen Kessel mit Wasser auf und über dem Dampf bog er die Fasstraufen zurecht. So entstanden auch die ersten Skier für unsere Kinder.

 

Wenn es um die Reparatur eines Wagens ging, war er ebenso ein gefragter Mann wie bei der Herstellung von Wagenrädern und weil er sich immer sehr für das Technische begeisterte, baute er sich über kurz oder lang sogar seine erste Kreissäge selber. Durch seine Vielseitigkeit und natürlich wegen seines musikalischen Könnens war bei uns am Hof eigentlich immer sehr viel los. Und weil man ihn überall gebrauchen konnte, war er immer recht viel in unserer Gemeinde unterwegs.

 

Natürlich blieb so sehr viel Arbeit an mir hängen, aber ich habe es wirklich mit großer Freude und Begeisterung gemacht. So sehr Hans die Menschen, die Technik und das Neue liebte, so wenig interessierte es ihn, einmal auf Urlaub zu fahren. Erst die ersten Chorausflüge brachten uns von zu Hause weg, aber das waren immer nur kurze Ausflüge. Es war keine einfache, aber doch eine schöne und gesellige Zeit. Unser Bauernhof bereitete mir viel Freude und dank der Musik herrschte immer eine besondere Stimmung bei uns zu Hause. Gerade weil mein Hans immer für alles Neue offen war, war es mir wichtig, dass unsere Kinder ihren eigenen Weg gehen durften, unbeeinflusst von dem, was zu Hause war, und das taten sie auch.

 

So vielen Kinder brachte mein Mann ein Instrument bei, aber nie unseren eigenen. Und auch hier gingen sie ihren Weg, denn unser Sohn Hans trat sehr wohl musikalisch und gesanglich in die Fußstapfen seines Vaters. Heute findet man solche vielseitigen und begabten Menschen, wie er es war, kaum noch. Ich weiß nicht, ob es die Zeit oder die Hektik der Menschen ist, die solch eine Entfaltung, wie sie bei ihm vorhanden war, gar nicht zulässt. Wir haben jedenfalls gemeinsam viel geschafft, er mit seiner Kreativität und ich damit, dass ich ihm den Rücken gestärkt habe. So haben wir unsere vier Kinder großgezogen, die Wirtschaft gemeistert und nebenbei noch Zeit für die schönen Dinge im Leben wie den Gesang und die Musik gehabt. Gerne denke ich an die Zeit zurück und egal vor welchen Problemen wir standen, wusste ich immer, dass wir diese bewältigen werden, denn eines war bei uns daheim immer klar: Mein Hans – der kann’s.

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